Wegeränder als Lebensraum stärken

Gemeinsamer Einsatz für mehr biologische Vielfalt

Die Schnitthöhe des Mähwerks wird so eingestellt, dass Blüher bessere Entwicklungschancen haben.

Wegeränder so pflegen, dass Insekten und Vögel hier Nahrung und ein Zuhause finden, das ist das Ziel eines Pilotprojekts mit vielen Beteiligten.

Kreis Warendorf, der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband, Ortslandwirte und die Stadt Beckum wollen gemeinsam dafür sorgen, den Randbewuchs öffentlicher Wege blütenreicher und damit insektenreicher und ökologischer zu machen. Landrat Dr. Olaf Gericke stellte im Pressetermin heraus: „Blütenreiche, summende Wege und Feldraine erfreuen nicht nur Wanderer und Radfahrer, sie sind besonders wertvoll für die Biodiversität in unserer Landschaft.”

Schnitthöhe anpassen
Feldraine und Wegeränder sind ein wichtiger Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten wie Vögel, Amphibien, Reptilien, Heuschrecken, Käfer und Insekten. Dort wachsen vorwiegend Gräser und Kräuter, die von den Kommunen gepflegt werden. Hier setzen die Kooperationspartner an: Beispielsweise wird mit einem speziellen Mähwerk die Schnitthöhe so eingestellt, dass Wegesblüher bessere Entwicklungschancen haben und ihr volles Potenzial entfalten. Wenn extra hohe Grasstoppeln stehen bleiben, lockt das Insekten wie beispielsweise Wildbienen an. Das fördert die Bestäubung von Wild- und Ackerpflanzen. Und auch Vögel und kleine Wildtiere finden hier geeignete Plätze für die Fortpflanzung und genügend Nahrung.

Pilotbereich in Vellern
Der Pilotbereich Vellern umfasst im Außenbereich 141 Wirtschaftswege mit einer Länge von etwa 53 Kilometern. Davon sind 21 Prozent so genannte grüne Wege. Insgesamt umfassen die städtischen zu unterhaltenden Wegeseitenränder eine Länge von 106 Kilometern und eine Fläche von gut 25 Hektar. Hinzu kommen rund 10 Kilometer überörtliche Straßen, die durch den Landesbetrieb Straßen.NRW und den Kreis Warendorf möglichst ebenso gepflegt werden sollen. Nicht betroffen ist das Freischneiden von Straßenrändern zur Verkehrssicherung.

Mit vorhandenen Mitteln auskommen
Eine zurückhaltende Unterhaltung der Flächen spart nicht nur Geld, sie dient vor allem der ökologischen Vielfalt. In Beckum fallen zurzeit 5,3 Kilometer der Wegeränder in die Kategorie „wertvoll”. Das sind 12 Prozent aller Wege. Hier soll die Pflege naturschutzgerecht durchgeführt werden. So soll in Teilabschnitten versuchsweise das Mahdgut entfernt werden. Es ist Ziel der Stadt Beckum, insgesamt mit den vorhandenen Mitteln auszukommen.

Landwirtschaft eingebunden
Vertreter der Landwirtschaft sind in das Projekt eingebunden. Die Landwirte in Vellern werden gebeten, die Mahdzeiten zu beachten und nicht selbst vorzeitig die Wegeränder zu mähen. Auch sollen Synergien entwickelt werden, indem Landwirte beispielsweise entlang wertvoller Wegeseitenränder auf ihren angrenzenden Flächen Blühstreifen anlegen.