Natürliche Landespfleger weiden am Brunsberg

Im Jahr 2008 wurde das Beweidunsprojekt Brunsberg ins Leben gerufen. Initiatoren waren der Kreis Warendorf mit der Bezirksregierung Münster als Entwickler des Naturschutzgebietes, der RWE als Träger der benachbarten Ausgleichsflächen sowie der NABU-Naturschutzstation Münsterland mit den Erfahrungen aus den erfolgreichen Beweidungsprojekten in der Emsaue Westbevern. 

Die ersten tierischen Landschaftspfleger auf den Naturschutz- und Ausgleichsflächen waren die Wildpferde (Koniks). Bei den Koniks handelt es sich um Junghengste, die die Mutterherden an der Ems verlassen mussten. Zunächst zögerlich, aber selbstbewusst nahmen sie ihren neuen Lebensraum in Besitz.

Nach einem knappen Jahr kam dann eine kleine Herde Heckrinder (rückgezüchtete Wildrinder) dazu. Auch sie fühlten sich so wohl, dass es regelmäßig Nachwuchs bei ihnen gab, so dass die gewünschte Zielgröße von 14 bis 15 Tieren inzwischen erreicht wurde. Aus diesem Grund musste der einzige Stier von der Beweidungsfläche genommen worden. Derzeit beweiden zwölf Kühe mit fünf noch recht jungen Kälbern die Weidelandschaft.

Auch die Koniks sind im Frühjahr 2015 leider ganz von der Beweidungsfläche genommen worden. In den beiden Wäldern haben sie sich zu sehr über die Bäume her gemacht und sie dominierten an der Futterraufe, so dass die bedürftigeren Rinder zu kurz kamen.

Die Tiere leben ganzjährig auf den Flächen und müssen sich dort vom Aufwuchs ernähren. Nur bei extremen Wintterungsverhältnissen ist eine Zufütterung notwendig, denn die während der Vegetationsperiode nicht gefressenen Futterpflanzen dienen als Winterfutter. Die Zahl der Tiere auf der Weidefläche wird somit von der natürlichen Tragfähigkeit des Gebietes bestimmt. Die Betreuung erfolgt durch die NABU-Station, vor Ort unterstützt von dem Beckumer Landwirt Christoph Kneissl.

Die insgesamt rund 28 Hektar Wald-, Wiesen- und Sukzessionsflächen wurden vorab eingezäunt und mit Kleingewässern und Rohbodenflächen ökologisch optimiert. Gefördert wurden diese Maßnahmen vom Land NRW.

Dass die benachbarten Grün- und Ausgleichsflächen der RWE mit einbezogen werden konnten, ist ein seltener Glücksfall, erhöht aber durch die Vernetzung insgesamt die biologische Vielfalt. Das Gebiet am Rande der Beckumer Berge zeichnet sich durch naturnahe Wälder auf Kalkböden sowie naturnahe Klein- und Fließgewässer aus, aus diesem Grunde stehen sie auch unter Naturschutz. Die Freiflächen dazwischen bzw. in den Randlagen werden durch Beweidung naturnah entwickelt und bieten damit typischen Pflanzen und Tiere neue vielfältige Möglichkeiten. 

Bereits jetzt wurden dort über 20 Arten der Roten Liste NRW nachgewiesen, diese Zahl wird sich nach den Erfahrungen mit derartigen Projekten in einigen Jahren deutlich erhöhen.

Das Beweidungsprojekt ist über den Alten Hammweg zu erreichen. Von einem Fußweg am Brunsberg entlang oder auch vom Hochstand aus können die Tiere auf den Flächen beobachtet werden.

Der Fachdienst Umwelt und Grün bietet mehrmals im Jahr in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund Führungen am Brunsberg an. Mit etwas Glück können die Tiere dann fast hautnah erlebt und bestaunt werden.

Infos des Nabu über den Beckumer Brunsberg

Das Heckrind

Der Auerochse, einst das mächtigste Landtier Europas, gilt als Stammvater aller Hausrinder. Das Heckrind ist eine sogenannte Abbildzüchtung des Auerochsen. Anfang des 20. Jahrhunderts haben die deutschen Zoologen und Tierforscher, die Brüder Heinz und Lutz Heck, mit der Züchtung begonnen. Durch Kreuzung verschiedener ursprünglicher Rinderrassen ist eine Rasse entstanden, die dem vor mehr als 300 Jahren ausgestorbenen Auerochsen äußerlich und von den Eigenschaften her sehr ähnelt.

Typische Merkmale der robusten Tiere sind lange Beine, mächtige Hörner, ein weißes Maul und die dunkle, urige Gestalt. Zudem unterscheiden sich weibliche und männliche Tiere stark voneinander: Die Kuh hat braunes Fell, der Stier ist schwarzbraun mit hellem Rücken. Im Vergleich zum ausgestorbenen Ur-Rind sind die Heckrinder allerdings kleiner.

Europaweit gibt es heute schätzungsweise 3000 Nachfolger des Auerochsen.

Koniks

Koniks kommen ursprünglichen aus den Steppen und Wäldern Polens und Weißrusslands. Heute werden die Koniks hauptsächlich noch in ihren Ursprungsländern, aber auch bereits in Deutschland und Österreich erfolgreich gezüchtet.

Diese extrem langlebigen und widerstandsfähigen Ponies galten in Polen bis 1798 noch als offizielles jagdbares Wild.
Der Konik ist zoologisch betrachtet ein Nachfahre des ausgestorbenen Tarpans und somit als eine Unterart anerkannt. Dieses recht anspruchslose Pferdchen (Konik = „Pferdchen“) erreicht ein Stockmass zwischen 1,30 und 1,40 m.

Kontakt für mehr Infos:

Haus Heidhorn
Westfalenstr. 490
48165 Münster

NABU-Naturschutzstation
Münsterland e. V.