Beckum gestern und heute

Die Stadt Beckum liegt eingebettet in einer Hügellandschaft, umgeben von fruchtbaren Äckern, saftigen Wiesen und stattlichen Wäldern. Der Hügelzug um die Stadt herum, die Beckumer Berge, gehören zu den wenigen Erhebungen in der flachen Münsterländer Parklandschaft.

Im Zentrum dieser Erhebung befindet sich eine Senke. Sie bildet in natürlicher Weise eine Quellmulde und ist Ursprung zahlreicher Bachläufe und Tümpel. Die Wasser sammeln sich hier und verlassen als Werse das Hügelland nach Westen, um in die Ems und schließlich in die Nordsee zu gelangen. Als bedeutendste Bachläufe sind der Kollenbach, der Lippbach und der Siechenbach zu nennen. Ihr geschlängelter Lauf ziert das Beckumer Stadtwappen: drei silberne Läufe auf rotem Grund.

Sie waren es auch, die der Stadt Beckum zu ihrem Namen verhalfen. Bekehem oder Bikehem, wie der Ort in alten Urkunden genannt wird, heißt nichts anderes als Bachheim - das Heim an den Bächen, wobei die Wortendung "-hem" oder "-heim" eine typisch karolingische Bezeichnung ist. Angelegt war dieses Bekehem an der Kreuzung zweier Handelswege, die von Münster nach Paderborn bzw. von Hamm über die Lippe nach Warendorf führten.

Seit 1224 besitzt Beckum Stadtrecht. Jedoch schon viel früher lässt sich anhand zahlreicher Funde eine Besiedlung auf Beckumer Boden feststellen. Drei Steinkistengräber aus der Jungsteinzeit, von denen eines im Süden der Stadt erhalten geblieben ist, gehören zu den ältesten Zeugnissen menschlicher Kultur in Westfalen.

Aus der fränkisch-sächsischen Zeit 600-800 n.Chr. wurden bedeutende Gräberfelder freigelegt. 1861 entdeckte man 61 menschliche Bestattungen in einem fränkischen Gräberfeld.

Noch größeres Interesse erregte das freigelegte Grab eines fränkischen Fürsten aus der Zeit um 600, der mit reichen Grabbeigaben versehen, beigesetzt worden war. Zwei kostbare Schwerter, ein Wurfspieß und reichverzierte goldene Beschläge lagen im Grab des Fürsten. Zu Füßen des Toten entdeckte man zehn Pferdeskelette.

Ab dem 8. Jahrhundert besaß der Ort bereits eine Kapelle. Sie gehörte vermutlich zu einem karolingischen Königshof. Beckum gehört zu den vier Urpfarreien des Münsterlandes.

Beckum im Mittelalter

Durch Kaufleute, Kramer und Handwerker kam das mittelalterliche Beckum zu beträchtlichem Reichtum. Aufgrund der günstigen Lage an der Kreuzung zweier Handelswege wuchs die Stadt rasch an. Die Feldmark der Stadt war mit mehr als 2.200 ha die größte des Münsterlandes.

Von den starken Befestigungsanlagen ist noch der alte Wehrturm im Westpark erhalten geblieben. Um 1230 entstand der Goldschrein der Hl. Prudentia, seiner Größe und seiner künstlerischen Qualität nach der bedeutendste mittelalterliche Goldschrein Westfalens. Kriege, Unruhen und die schwarze Pest haben die Stadt in den folgenden Jahrhunderten zurückgeworfen. Im Umfeld des wirtschaftlichen und sozialen Abstiegs entstanden vermutlich die als "Beckumer Anschläge" bekannt gewordenen Schildbürgerstreiche. Mehrere Kunstwerke im Stadtgebiet nehmen hierauf Bezug.

Der Prudentiaschrein, Westfalens wertvollster Reliquienschrein
Grabbeigaben aus dem Fürstengrab

Beckum im 19. Jahrhundert

Nach langer Zeit der wirtschaftlichen Stagnation erholt sich Beckum zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Von 1803 bis 1806 stand Beckum unter preußischer, von 1806 bis 1813 unter französischer Verwaltung.

Beckum wird 1816 Kreisstadt; die Kreisverwaltung hat ihren Sitz aber erst ab 1827 in Beckum. Durch den Bau der Köln-Mindener-Eisenbahn erhielt die Stadt einen verkehrstechnisch wichtigen Anschluss. Die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert entwickelnde Kalk- und Zementindustrie hatte damit einen wichtigen Transportweg für ihre Produkte erhalten. 1872 wurde in Beckum das erste Zementwerk gegründet, weitere folgten und ließen den Raum Beckum zu einem der bedeutendsten und größten Zementreviere der Welt werden.

Landratsamt
Marienplatz , 1931

Nordtor
Weststraße

Beckum heute

Dem wirtschaftlichen Aufschwung machten der Erste Weltkrieg und die 1923 einsetzende Inflation ein Ende. Die demokratische Arbeit des Beckumer Stadtparlaments endete 1933 mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Im Zweiten Weltkrieg blieb Beckum von größeren Zerstörungen durch Bombenangriffe verschont und wurde 1945 den Amerikanern kampflos übergeben.

Nach der schweren Nachkriegszeit ging der Wiederaufbau vonstatten, währenddessen sich Beckum zu einer modernen Wohn- und Industriestadt entwickelte. 1974 hat die Stadt mit den drei Bächen in ihrem Wappen ihr 750-jähriges Jubiläum gefeiert. Heute gehört Beckum zum Kreis Warendorf und hat mit den Stadtteilen Neubeckum, Vellern und Roland ca. 37.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Zahlreiche Wanderwege und Erholungsgebiete machen Beckum zu einem beliebten Ausflugsziel für Kurzurlauber.

1999 war für Beckum ein besonderes Jahr. Denn seit 775 Jahren besaß die Stadt Beckum zu dem Zeitpunkt die Stadtrechte. In diversen (kleineren) Veranstaltungen wurde auf dieses Jubiläum hingewiesen. Ganz im Vordergrund wurde aber das zeitgleich stattfindende 100-jährige Jubiläum Neubeckums gefeiert.

Durchgang von der St. Stephanuskirche zum Marktplatz (Immig)
Stadtfest "Pütt-Tage"

Beckums schöne Tochter Vellern

Blick auf Vellern
Das Backhaus im Ortskern Vellerns