Zeugen der Urgeschichte

Das Münsterland war vor rund 80 Millionen Jahren Teil eines großen Meeres. Die in den Steinbrüchen um Beckum aufgeschlossenen Kalksteinschichten sind Sediment -  Ablagerungen dieses Meeres. Die Schichten bestehen aus einer Wechselfolge von tonigen Mergeln, mergeligen Kalken und Mergelkalksteinen.

Der Kalkstein wird seit über 100 Jahren abgebaut und zu Baustoffen verarbeitet. Von den 1870er Jahren bis 1905 war das Münsterland berühmt für seinen Strontianitbergbau. Das Strontium-Carbonat fand nach einer Verfahrensentwicklung im Jahre 1871 Verwendung in der Zuckerindustrie. Es diente dazu, aus der Melasse Zucker zu gewinnen. Die Münsterländer Strontianit- Lagerstätten sind weltweit einmalig.

Die Vorkommen stehen oft bis an die Oberfläche an und verlaufen in unterschiedlicher Weise in die Tiefe. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Strontianit nicht nur im Tiefbau sondern auch im Tagebau  gewonnen, und auch heute noch stößt man in den Kalksteinbrüchen immer wieder auf Strontianitgänge.

Die Ganglagerstätten entstanden vor rund 60 Millionen Jahren an der Wende von der Kreide zum Tertiär, als schwache Gebirgsbewegungen die Oberkreide-Mergel deformierten, in denen Strontianit bereits sedimentär ausgefüllt worden war. Diese wenig konzentrierten Primär- Vorkommen wurden  wohl durch erwärmte Grundwässer  ausgelaugt  und  mobilisiert. Die niedrigthermalen Lösungen zirkulierten entlang tektonischer Spalten  den späteren Strontianitgängen. Deren Streichen und Fallen ist recht unterschiedlich, doch zieht die Hauptrichtung der Gänge meist von Nordosten nach Südwesten. Die Mineralbildungen setzten sich schließlich als carbonatreiche Gänge und auf Klüften ab, deren Breite meistens  bei 2-30 cm liegt. Historische Strontianitstufen aus dem klassischen Münsterländer Fundgebiet gelangten in alle mineralogischen Museen Europas.

Strontianit, Calcit und Pyrit sind die am häufigsten gefundenen Mineralien, wobei die Farben und Formen in den verschiedenen Steinbrüchen unterschiedlich sind. Spitzpyramidale und gebogen erscheinende Strontianit – Kristalle, die in Form von schneeweißen Büscheln auf Calcit mit Pyrit aufgewachsen sind, stellen die interessantesten Stufen dar. Farbloser feinnadeliger Strontianit tritt auf in Klüften, die derben Strontianit durchschneiden. Relativ selten aber besonders begehrt sind schöne lichtgelbe bis rosafarbene, pseudohexagonal-kurzprismatische Strontianitkristalle, die frei in  Drusen sitzen und deren Größe vom mm-Bereich bis zu maximalen 6 cm  Länge reicht. Ein Einzelfund lieferte rotbraune Strontianitstengel, die teilweise in Calcit eingewachsen sind. Farblose bis weiße Calcitkristalle sind sehr formenreich, wobei flachrhomboedrische Formen vorherrschen; manchmal sind die  mm-kleinen bis maximal 4 cm großen  Calcite von Limonit oder Manganoxiden überkrustet. Millimetergroße Pyrite  würfelig, prismatisch, oktaedrisch sowie mit anderen Formen  sind verbreitet und zeigen öfters sehr schöne Anlauffarben. Weiterhin lieferten zwei Steinbrüche interessante nadelförmige skelettartige Pyrite mit bizarren Ausbildungsformen. Pyrit sitzt meist auf Calcit; die Aufwachsung von Pyrit auf Strontianit ist viel seltener. Nur in  wenigen Stufen gefunden wurden blättriger Markasit und beigeweißer Baryt, jeweils in rundlichen cm-großen Kristallaggregaten.

Wichtige Hinweise für Sammler:  Die meisten stillgelegten Aufschlüsse im Beckumer Steinbruchgebiet stehen als Biotope unter strengen Naturschutz. In ihnen darf nicht gearbeitet werden! Für die in Betrieb befindlichen, oft sehr ausgedehnten Brüche ist stets die Genehmigung der Werksleitung einzuholen.

Bilder und Texte: Rudolf Eiternick, Beckum 


Fossilien

In den Mergel- und Kalksteinschichten, die in den Beckumer Steinbrüchen aufgeschlossen sind, haben sich auch in einigen Schichten Reste urzeitlichen Lebens des Meeres der Kreidezeit erhalten. Vornehmlich in den oberen Beckumschichten sowie in den mancherorts noch aufliegenden Vorhelmschichten lassen sich mit reichlich Fleiß und etwas Glück teilweise erhaltene Fossilien finden. Diese Funde stellen im Vergleich zu anderen Fundpunkten in Deutschland schon eine gewisse Rarität da. Vor allem treten dabei die optisch unspektakulären, geradwüchsigen Ammoniten namens Baculites vertebralis in zu Tage, die manchmal auch mit Belemniten verwechselt werden. Diese Donnerkeile (Rostren ehemaliger Tintenfische) sind durch ihre Härte (Calcit) so witterungsbeständig, dass sie auch auf mergeligen Äckern aufgelesen werden können.

Ein besonderes Augenmerk verdienen jedoch die spiralförmigen Gehäuse der Ammoniten, die im Bereich der hiesigen Steinbrüche bis zu einer Größe von 70 Zentimetern  zum Vorschein kommen können und dann einen erheblichen Bergungsaufwand mit sich bringen. Es überwiegen aber die verschiedensten Arten mit Durchmessern von im Mittel 10 Zentimetern.

Die Funde aus den heimatlichen Steinkuhlen veranschaulichen aber ein weitaus vielfältigeres Leben im einstmals subtropischen Meer. Neben äußerst seltenen Fischfunden kamen unter anderem verschiedene Muscheln, Schnecken, Nautiliden, Schwämme, Seeigel und filigrane Schlangensterne ans Tageslicht. Ein nicht alltäglicher Fund stellt auch der Zapfen einer Konifere dar, da wir es hier ja mit Meeresablagerungen zu tun haben. Dieser Teil einer Landpflanze wird wohl mit untermeerischen Schlammströmen vom südlicher gelegenen Küstenstreifen in den hiesigen Raum gespült worden sein.

Auch diese Funde zeigen, wie spannend Exkursionen in die Steinbrüche um Beckum sein können, die auch dank der Mithilfe der ansässigen Zementindustrie vom Arbeitskreis des Heimat- und Geschichtsverein angeboten werden.

Text und Bilder von Ludger Bach. Weitere Infos auf seiner privaten Internetseite https://bach-fossilien.jimdofree.com
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