Balance statt Wachstum

Ernst Ulrich von Weizsäcker fordert Balance statt Wachstum.

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker sprach in der Aula der Antoniusschule vor 150 gebannten Zuhörerinnen und Zuhörern über die Notwendigkeit des gesellschaftlichen Wandels und hinterließ einen nachhaltigen Eindruck.

Er gehört zu den führenden Wissenschaftlern, die sich der Initiative „Friday for future” mit ihrer Kampagne „Science for future” angeschlossen haben. In Beckum zeigte er eindrucksvoll, dass Jung und Alt durchaus die gleiche Linie verfolgen können und beherztes Engagement keine Frage des Alters ist. Der 79-Jährige engagiert sich seit über 50 Jahren für einen nachhaltigen Wandel der Weltgesellschaft und gehört zu den renommiertesten Persönlichkeiten weltweit bei der Frage wie sich unsere Umwelt künftig entwickeln wird. Auf Einladung der Volkshochschule Beckum-Wadersloh und des Klimaschutzmanagers der Stadt Beckum Tobias Illbruck war er in der Püttstadt zu Gast.

Genug Wissen vorhanden, um die Welt zu retten
„Die volle Welt braucht eine neue Aufklärung”, so seine zentrale Botschaft. Schon aufgrund der Überbevölkerung stehe die Welt vor enormen Herausforderungen. Die Aufklärung des 17. und 18. Jahrhunderts sei allzuoft zu einer Rechtfertigungslehre für Individualismus und Egoismus verkommen. Daher bedürfe es einer neuen Aufklärung, die die Balance zwischen Mensch und Natur, zwischen Staat und Markt, zwischen Kurzfristigkeit und Langfristigkeit, zwischen Leistungsanreiz und Gerechtigkeit, zwischen Herz und Verstand findet. Noch vor 50 Jahren habe es überwiegend intakte Wälder und Meere gegeben, heute sei ein ganz großer Teil zerstört. Nach Einschätzung des Wissenschaftlers verfügen wir über genügend Wissen, sind aber nicht in der Lage die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Den Wandel dürfe man aber nicht allein auf die Verbraucherinnen und Verbraucher abwälzen, es sei vielmehr die Politik gefragt, Rahmen und Anreize zu schaffen, die der Zerstörung unserer Erde Einhalt gebieten. Seine Ideen untermauerte er mit zahlreichen positiven Beispielen, die er ausführlich in seinem Bericht an den Club of Rome unter dem Titel „Wir sind dran” dargelegt hat. Im Anschluss an seine Visite in Beckum, wo er wahrlich einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat, machte sich der 79-Jährige auf den Weg in die Ukraine, wo sein Bestseller präsentiert wird.

Mehrfach ausgezeichnet
Von Weizsäcker, der aus der bekannten Weizsäcker-Familie stammt, ist Physiker und Biologe und gilt als einer der 100 einflussreichsten Vordenker der Welt (Duttweiler-Institut). Er war bis 2018 Co-Präsident des Club of Rome. Er wurde mehrfach ausgezeichnet, zum Beispiel mit der Ehrendoktorwürde der Soka Universität (Japan), dem Theodor-Heuss-Preis und dem Großen Verdienstkreuz. Er leitete unter anderem das UNO-Zentrum für Wissenschaft und Technologie, New York und das renommierte Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie.