Außenbereich der Werse

Anlass

Nach einem auf den Raum Ahlen - Dolberg - Beckum begrenzten Regenereignis, welches mit Regenmengen von über 100 Litern in zwei Stunden laut Statistik nur alle 250 - 500 Jahre vorkommt, standen vom 3. bis 6. Mai 2001 unter Anderem große Teile der Werseniederung und die Zechensiedlung in Ahlen unter Wasser.

Nach den unmittelbaren Maßnahmen der Hilfe für die Betroffenen vor Ort wurde schnell klar, dass für die Stadt Ahlen insgesamt Maßnahmen des Hochwasserschutzes erforderlich sind. Die Stadt Ahlen selbst hat sehr rasch viele der lokal im Stadtgebiet umzusetzenden Sicherungsmaßnahmen durchgeführt. Es wurde jedoch deutlich, dass für einen nachhaltigen Hochwasserschutz ein übergreifendes Konzept für den gesamten Werse-Oberlauf einschließlich Beckum erforderlich ist.

Konzept

Dieses Konzept wurde 2002 vom Kreis Warendorf in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Umweltamt Münster (heute Bezirksregierung Münster) und den Städten Ahlen und Beckum durch ein beauftragtes Fachbüro erstellt. Untersucht wurde dabei der gesamte Raum Beckum - Ahlen mit einer Fläche von ca. 48 km². Ziel war der Hochwasserschutz der Siedlungslagen Ahlen und Beckum und zugleich die ökologische Verbesserung und naturnahe Entwicklung der Werse von Beckum bis Ahlen.

Auf der Grundlage umfassender wasserwirtschaftlicher und landschaftsökologischer Analysen zeigte sich folgende Situation:

  • Für die Siedlungslage Beckum besteht für das "100-jährige Hochwasserereignis" (HQ 100) keine Hochwassergefahr.
  • Auch unter Berücksichtigung der "Sofortmaßnahmen" zum Hochwasserschutz im Siedlungsgebiet Ahlen bestehen bei HQ 100 im bebauten Raum der Stadt Ahlen Überflutungsbereiche.
  • Die umgesetzten und noch geplanten Sofortmaßnahmen verschärfen die Hochwassergefahr für die Unterlieger. Diese Verschärfung muss durch geeignete Maßnahmen kompensiert werden.
  • Eine nachhaltige Entwicklung der Werse, die sowohl die Hochwasserschutzbelange als auch die Anforderungen der EG-Wasserrahmenrichtlinie berücksichtigt, kann an der Werse zwischen Beckum und Ahlen durch Schaffung naturnaher Rückhalteflächen (mit einem Retentionsvolumen von ca. 350.000 bis 400.000 m³) etabliert werden.
  • Dadurch sind lokale Schutzmaßnahmen nur noch im geringen Umfang erforderlich und können hinsichtlich der Auswirkungen auf die Unterlieger kompensiert werden.

Die Planung der Gesamtmaßnahme inklusive  der wasserrechtlichen Genehmigung und einer Umweltverträglichkeitsprüfung erfolgte für den Abschnitt A4b in 2004 und für die weiteren Abschnitte in 2008. Dazu war zum Teil umfangreicher Grunderwerb erforderlich. Die Planung ergab, dass statt der ursprünglich geplanten Reaktivierung der Primäraue eine tiefer liegende Sekundäraue herzustellen sei. Dadurch konnte der Flächenbedarf zugunsten der Landwirtschaft stark reduziert werden. Die neu geschaffene Flussaue wird nun schon bei kleineren Regenereignissen überschwemmt. Dadurch wird die Abflussgeschwindigkeit deutlich verlangsamt und das Wasser zurückgehalten.

Nach einer Initialbegrünung kann sich die neue Werse weitgehend eigenständig und naturnah zu einem Auwald mit Freiflächen entwickeln. Die oberhalb der Aue gelegenen Flächen werden in extensiv genutzte Freiflächen mit einzeln eingestreuten Gehölzen umgewandelt. Die Flächen werden von einer Schafherde beweidet.

Der Werseradweg muss teilweise verlegt werden, er bleibt jedoch Bach begleitend vorhanden, um von dort aus interessante Einblicke in die naturnahe Auenlandschaft zu ermöglichen.

Die Maßnahmen werden zu 80 % vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert. Die restlichen 20 % werden über das städtische Ökokonto refinanziert.

In 2005 wurde mit dem Bau des Abschnitts A4b begonnen, die weiteren Abschnitte folgen seitdem sukzessive. Die Ausführungsplanung wird durch das Büro ARGE Wasser (Ingenieurgesellschaft Dr. Ing. Nacken, Heinsberg; Planungsbüro Koenzen, Hilden) ausgeführt.

Bauabschnitt A4a

Baukosten: ca. 860.000 €
Länge: 1,46 km
Fläche: 8,9 ha

Gegenüber der Kläranlage wurde die Werse in die angrenzende, bereits bestehende Biotopfläche verlegt. Der neu entstandene „Altarm“ wurde zur Aufnahme des geklärten Wassers und zur Rückhaltung von Hochwasser beibehalten.

Im weiteren Verlauf wurde ein standortfremdes Fichtenwäldchen abgeholzt, welches zum Teil mit heimischen Gehölzen wieder bepflanzt worden ist. Weiter unterhalb wurde die Mündung des Butterschlotbaches ebenfalls naturnah ausgebaut und an die Werse angeschlossen.

Die Bauarbeiten erfolgten in 2009/2010.

Der Auftrag wurde von der Firma Lodenkemper GmbH aus Ahlen-Dolberg umgesetzt. Die Anpflanzungen erfolgten durch die Firma Spindler Garten- und Landschaftsbau aus Hamm.

Die Maßnahme umfasste folgende Arbeiten:

  • Erdbewegungen und naturnahe Gewässerbauarbeiten im Gesamtvolumen von 23.000 m ³
  • Einbringung von Totholz
  • Fällen eines Fichtenwäldchens
  • Teilweise Erneuerung des wassergebundenen Radweges
  • Rückbau eines Pfeifenbring`schen Sohlabsturzes
  • Herstellung einer Rauen Rampe auf ca. 70m Länge
  • Anbindung eines bestehenden Biotops unter Erhalt der Stillgewässer
  • Erneuerung des Straßendurchlasses an der K28
  • Bau einer Fuß- und Radwegebrücke
  • Anschließende Bepflanzung und Begrünung der angrenzenden Randbereiche

 

Bauabschnitt A4b

Baukosten: ca. 500.000 €
Länge: ca. 1,5 km
Fläche: xxx

In diesem Bereich wurde eine neue Gewässeraue geschaffen mit einer maximalen Breite von 80 Metern. Ebenso wurde eine Kaskade entfernt, um eine Durchgängigkeit für Gewässerorganismen zu schaffen. Um die natürliche Entwicklung der Werse zu unterstützen, wurden zusätzlich Baumstämme und Wurzeln in den Wasserlauf eingebracht.

Innerhalb dieser Aue kann sich die Werse von nun an ihren eigenen Lauf suchen und sich dynamisch weiterentwickeln. Auf Dauer wird auf diesen Flächen natürlicher Auwald entstehen. Gerade in Bereichen des eingebrachten Totholzes entwickeln sich sehr schnell vielfältige Gewässerstrukturen, die für viele Gewässerorganismen Schutz bieten.

Besonders interessant in diesem Abschnitt sind die verschiedenen Bodenverhältnisse. Neben dem für Beckum üblichen Lehmboden finden sich hier sowohl sandige als auch anmoorige Böden. Im westlichen Abschnitt verläuft die Werse sogar direkt über den anstehenden Kalkstein. Diese Verschiedenheit verspricht eine besonders vielfältige ökologische Entwicklung.

Die an die Aue angrenzenden Randbereiche werden nun extensiv beweidet und stellen somit Pufferzonen der Werse dar. 

Die Durchführung der Maßnahme inklusive der Begrünung erfolgte 2005.

Der Auftrag wurde von der Otto Tiefbau GmbH aus Hopsten umgesetzt. Die Anpflanzungen erfolgten durch die Firma Rottmann GmbH aus Beckum.

Die Maßnahme umfasste folgende Arbeiten:

  • Schaffung einer neuen Gewässeraue mit Erdbewegungen von ca. 40.000 m³ Boden
  • Rückbau eines Kaskadenbauwerkes
  • Anlage einer rauen Rampe
  • Einbringung von Totholz
  • Teilweise Erneuerung des bestehenden Radweges, teilweise Verlegung des Radweges an die Auenkante
  • Anschließende Bepflanzung und Begrünung

 

Bauabschnitt A3

Baukosten: ca. 690.000,00 €
Länge: 1,3 km
Fläche: xxx m

Der Abschnitt A3 schließt sich an den zuletzt gebauten Abschnitt A4a auf Höhe der Hoflage Tüttinghoff an und erstreckt sich bis zum Wirtschaftsweg Höhe Heimann.

Auch hier wurde eine neue Aue geschaffen mit einer ungefähren Breite von bis zu 60 Metern. Darüber hinaus wurde ein bestehender Altarm wieder an den Gewässerlauf angeschlossen.

Die Ausführung inklusive der Begrünung erfolgte 2012. Die Arbeiten wurden von der Firma Lodenkemper GmbH aus Ahlen – Dolberg ausgeführt.

Die Maßnahme umfasste folgende Arbeiten:

  • Erdbewegungen und naturnahe Gewässerbauarbeiten im Gesamtvolumen von 48.000 m ³
  • Einbringung von Totholz
  • Teilweise Erneuerung des wassergebundenen Radweges ca. 1.600 m²
  • Rückbau von drei Brückenbauwerken
  • Herstellung einer landwirtschaftlichen Überfahrt aus Stahlbeton mit Schwerlastrosten
  • Erstellung eines Schotterrasenweg für landwirtschaftliche Fahrzeuge
  • Anschließende Bepflanzung der Ausbaustrecke mit ca. 100 Hochstämmen und 600 Strauch- und Heckenpflanzen.