Wasserqualität der Werse

Ende der 60er Jahre / Anfang der 70er war die Wasserqualität der Werse am Tiefpunkt angelangt: Die Werse, vor allem genutzt zur Ableitung von nur mechanisch gereinigtem Schmutzwasser und zur schnellen Ableitung vom Mischwasser nach Regenereignissen (und deshalb technisch als "Vorfluter" ausgebaut), war in Beckum durch sehr stark bis übermäßig stark verschmutzte Bereiche gekennzeichnet. Von Wasserqualität für Lebewesen war da keine Spur.

Durch konsequenten Ausbau der Abwasserbehandlungsanlagen, Regenklär- und Regenrückhaltebecken ist es der Stadt Beckum seither gelungen, die Wasserqualität der Werse erheblich zu verbessern (auf stark bis mäßig verschmutzt). Diese Entwicklung setzte sich in 2001 fort, in weiten Bereichen des Stadtgebietes wurde nun eine nur noch mäßige bis geringe Verschmutzung nachgewiesen (s. Tab. 1).

Maßstab für die Wasserqualität der Werse ist dabei die sogenannte "Gewässergüte". Dieses Verfahren berücksichtigt neben chemischen und physikalischen Messdaten (die eher eine punktuelle Momentaufnahme darstellen) vor allem die tierischen Lebensgemeinschaften im Gewässer (die sozusagen den Langzeitaspekt beleuchten). Insofern ist es auch verständlich, dass sich Verbesserungen eher mittel- bis längerfristig auswirken.

Erfasst wird das Vorkommen von vielen verschiedenen Tierarten. Jede Art stellt besondere Ansprüche an die Wasserqualität, viele Tiere mit hohen Ansprüchen dokumentieren somit z. B. langfristig eine gute Wasserqualität (genannt Gewässergüte). Die Gewässergüte wird eingeteilt in vier Klassen von I bis IV. Angestrebt wird generell für die gesamte Werse eine Wasserqualität von II (= mäßig belastet; mit einer vielfältigen Gewässerfauna).

Ziel ist daher nicht allein sauberes Wasser, sondern die Schaffung einen stabilen Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Durch Begradigung, technischen Ausbau und Einbau von Sohlschalen ist der natürliche Lebensraum mehr oder weniger verloren gegangen. Nun wird die Struktur der Werse wieder in einen möglichst naturnahen Zustand versetzt. Es werden vielfältige Gewässerbereiche geschaffen und Flächen bereit gestellt, um – soweit möglich – die natürliche Dynamik der Gewässer wieder zulassen zu können.

Genau hier setzen die verschiedenen Gewässerentwicklungsprogramme an. Wie schnell sich diese Entwicklung einstellen kann, lässt sich in den bereits realisierten Bauabschnitten vor Ort erkennen. Insofern kann man der weiteren positiven Entwicklung der Gewässergüte in Beckum gespannt entgegen sehen. Kommen irgendwann auch die einst heimischen Fischarten zurück? Lassen wir uns überraschen!


Gewässergüte

Gewässer

Nr. der
Messtelle

1968

1999

2001

Siechenbach

Kollenbach

Werse

Werse

Werse

Stelterbach

WS 1

W 18

W 17

W 14

W 13

WNG 1

III

III

III - IV

IV

III

n. unters.

II

II - III

III

III

II - III

II

n.unters.

II - III

II - III

II

III

n.unters.

Güteklasse

Bewertung

I

unbelastet bis gering belastet

I-II

gering belastet

II

mäßig belastet

II-III

kritisch belastet

III

stark verschmutzt

III-IV

sehr stark verschmutzt

IV

übermäßig verschmutzt

n. unters. =    nicht untersucht