Innenbereich der Werse

Bereits in den Jahren 1992/1993 gab es in Beckum erste Überlegungen, die Werse im Stadtgebiet aufzuwerten und umzugestalten, nachdem die abwassertechnischen Anforderungen (Verringerung der Einleitung von Schmutzwasser) weitergehend erfüllt waren. In diese Überlegungen flossen auch Anforderungen des Hochwasserschutzes mit ein.

In enger Abstimmung mit dem Wasser- und Bodenverband (WaBoV) Ahlen-Beckum wurde 1995 ein Entwicklungskonzept erstellt. Die Ergebnisse führten zu Anforderungen an die Unterhaltung (WaBoV), an die Umsetzung im Außenbereich (Kreis Warendorf im Rahmen Landschaftsplan Beckum; Ausgleichsmaßnahmen) und an den Innenbereich (Grünanlagen, Stadt Beckum), die in den folgenden Jahren angegangen wurden.

In insgesamt 9 Bauabschnitten wird die Werse seit 2001 naturnah entwickelt und somit auch die Rückhaltung von Niederschlagswasser im Bachsystem verbessert. Die Gesamtkosten werden mit insgesamt ca. 1,4 Mio. € kalkuliert. Die Planung wird von der Flick Ingenieurgemeinschaft aus Ibbenbüren ausgeführt.

Das Projekt "Naturnahe Entwicklung der Werse" wird vom Land NRW mit Fördermitteln in Höhe von 80% bezuschusst. Damit wird der besonderen Bedeutung des Projekts für den Wasserhaushalt, aber auch die Entwicklung der Stadt Beckum Rechnung getragen. Dieser wichtige Bereich des Stadtgebietes wird nachhaltig und zukunftsfähig, unter Berücksichtigung von Mensch, Ökonomie und Ökologie, entwickelt.

Presseartikel: Erster Spatenstich 2001

Bauabschnitt 1

In diesem Abschnitt war die Werse zuvor als "Entwässerungsgraben" an den Rand der schmalen öffentlichen Grünfläche gedrängt und kaum einsehbar. Durch die Aufweitungen auf einer Länge von etwa 750 m wurde dieser Abschnitt ökologisch aufgewertet und zugleich erlebbar gemacht. Vor der Elisabethstraße wurde ein Sandfang angelegt, um eventuelle Ablagerungen entfernen zu können. Im Bereich des ehemaligen Südteichs wurde ein Absturzbauwerk aus Beton durch eine naturnahe Sohlgleite ersetzt. Die Fundamente eines ehemaligen Wehrturmes der Stadtbefestigung wurden nachgebildet, so dass auch die Funktion der Werse als Teil der früheren Stadtbefestigung deutlich wird. 2007 wurde an dieser Stelle eine Erzählstation des Werse Rad Weges aufgestellt. Die vorhandene Fuß- und Radweg wurde durch eine begleitende Lindenreihe begrünt.

Die Maßnahme wurde inklusive der Bepflanzung im Jahr 2001 fertig gestellt.

Die  Maßnahme umfasste folgende Arbeiten:

  • Aufweitung und Gestaltung des Gewässers, Ausbaulänge ca. 750 m
  • Abbruch eines Absturzbauwerks und Herstellung einer rauen Rampe
  • Anlage eines Sandfangs
  • Abschließende Bepflanzung

Bauabschnitt 2

In diesem Abschnitt wurden an mehreren Stellen Betonfundamente und Sohlverschalungen entfernt und das Gewässer aufgeweitet. Ein Absturzbauwerk am Dalmerweg wurde in eine raue Rampe naturnah und für Fische durchgängig umgebaut. Im Bereich des ehemaligen Westteichs konnte die Werse großflächig aufgeweitet werden. Hier bietet ein tiefer gelegter "Erlebnisweg" Gelegenheit, die Werse auf Augenhöhe zu erleben. Die Begrünung des begleitenden Fuß- und Radweges mit einer Lindenreihe wurde bis zur Hammer Straße fortgesetzt.

Die Maßnahme wurde in 2001 fertig gestellt.

Die  Maßnahme umfasste folgende Arbeiten:

  • Aufweitung und Gestaltung des Gewässers, Ausbaulänge knapp 300 m
  • Abbruch eines Absturzbauwerks und Herstellung einer rauen Rampe
  • Entfernung von Betonfundamenten und –schalungen
  • Herstellung eines Uferweges
  • Abschließende Bepflanzung

Bauabschnitt 3

Die Werse wurde komplett neu in die ehemalige Hillenwiese verlegt, hier wurde ein naturnaher Bachbereich mit großen Überflutungsflächen geschaffen. Diese Flächen sollen sich weitgehend selbst entwickeln, was von dem angrenzenden Wanderweg aus gut beobachtet werden kann.

Hier befindet sich auch die Piepenbornquelle, die bereits im 15. Jahrhundert urkundlich erwähnt wurde. Sie wurde saniert und mit heimischen Natursteinen neu gefasst. Daneben wurde eine zweite Quelle (Senkelquelle) freigelegt. Das Wasser beider Quellen fließt nun in naturnahen Flächen der Werse zu.

Der "alte" Werseverlauf dient zur sicheren Ableitung von Hochwasser und wurde ebenfalls naturnah gestaltet.

Im Herbst 2003 wurde die Stauanlage an Köttings Mühle mit einer Fischtreppe so umgebaut, dass Fische und andere Lebewesen die Werse wieder aufwärts wandern können.

Die Maßnahme wurde 2002 fertig gestellt.

Die Maßnahme umfasste folgende Arbeiten:

  • Neuanlage des Gewässerlaufs
  • Aufweitung und Gestaltung des Gewässers, Ausbaulänge ca. 320 m
  • Anlage eines Sandfangs westlich des Konrad-Adenauer-Rings
  • Sanierung und Anschluss von zwei Quellen
  • Bau einer Fischtreppe

 

Bauabschnitt 4

In diesem Bereich konnte die Werse großflächig in die nördlich gelegenen Wiesen verlegt werden, was in etwa dem ursprünglichen Verlauf der Werse entspricht. Nun bietet sich viel Raum für eine natürliche Entwicklung mit vielen, neu entstandenen Lebensräumen und zugleich für die Rückhaltung von Hochwasser. Der dort einmündende Rattbach wurde entsprechend eingebunden. Schon kurz nach dem Umbau konnte bereits häufig der Eisvogel in diesem Abschnitt gesichtet werden.

Der vorherige Verlauf der Werse wurde beibehalten sowohl zur Aufnahme von Hochwasser als auch für die Sicherstellung eines Wasserrechts. Dieses Wasserrecht wurde zuvor von einer Wehranlage in Form einer Fischbauchklappe „An der Wersemühle“ geregelt. Da diese Funktion nun anderweitig ausgefüllt werden konnte, war es möglich, das Wehr vollständig abzubauen und den noch bestehenden Höhenunterschied mit einer 50 m langen, flachen Rampe auszugleichen. Somit wird es Fischen und anderen Gewässerorganismen ermöglicht, die Werse wieder aufwärts wandern zu können.

Die Gewässerbauarbeiten wurden 2003 durchgeführt, im Frühjahr 2004 erfolgte die Begrünung. Der Umbau der Wehranlage fand 2004/2005 statt.

Die Maßnahme umfasste folgende Arbeiten:

  • Neuanlage des Gewässerlaufs
  • Aufweitung und Gestaltung des Gewässers, Ausbaulänge etwa 680 m
  • Verlegung bzw. Überarbeitung des Fuß- und Radweges
  • Umbau einer Fischbauchklappe in eine Raue Rampe
  • Anlage einer Streuobstwiese

 

 

Bauabschnitt 5

Im 5. Bauabschnitt wurde die Werse entsprechend ihres ursprünglichen Verlaufs wieder an den Mühlengraben angebunden. Daher wurde durch das jetzt südlich angrenzende Wäldchen ein naturnaher neuer Bachverlauf angelegt. Der ebenfalls naturnah umgebaute „alte“ Werseverlauf dient nun der Rückhaltung und Ableitung von Hochwasser.

Die Bauarbeiten erfolgten im Herbst – Winter 2004/2005, die Begrünung wurde im Anschluss vorgenommen.

Die Maßnahme umfasste folgende Maßnahmen:

  • Neuanlage eines Gewässerlaufs
  • Aufweitung und Gestaltung des Gewässers, Ausbaulänge ca. 350 m
  • Bau von zwei Fuß- und Radwegebrücken
  • Einbau von drei Drosselbauwerken aus Gabionen in den Altarm
  • Umbau eines Betonabsturzbauwerks in eine raue Rampe

 

 

Bauabschnitt 6

Dieser Bereich befindet sich schon oberhalb des Zuflusses des dritten Quellbachs der Werse, des Lippbachs, daher handelt es sich offiziell um den Kollenbach. Dennoch zählt er bau- und planungstechnisch weiterhin als Werse.

Das Gewässer wurde von den Uferbefestigung und Bodenablagerungen befreit, einige verwahrloste Kleingartenanlagen im Böschungsbereich wurden aufgelöst und mit großen Entwicklungsmöglichkeiten in eine naturnahe Bachaue umgestaltet. Hier wurde bewusst eine größere Wasserfläche geschaffen, die im Laufe der Zeit verlanden und sich selbstständig als Aue entwickeln soll.

Der vorhandene wertvolle Silberweidenbestand wurde erhalten und entwickelt.

Die Erdarbeiten erfolgten in 2003, die Begrünung im darauffolgenden Frühjahr 2004.

Die Maßnahme umfasste folgende Maßnahmen:

  • Entfernen von Kleingartenanlagen
  • Aufweitung und Gestaltung des Gewässers, Ausbaulänge ca. 250 m

 

 

Bauabschnitte 7 bis 9 (in der Vorplanung)

Dieser Bereich erstreckt sich von der Sternstraße bis zum Südwall und ist mit seinem Kastenprofil stark städtisch geprägt. Im Bereich der Oststraße fließt der Lippbach ein, der dritte Quellbach der Werse. Erst ab dort handelt es sich bei dem Gewässer offiziell um die Werse.

An diesen Abschnitt werden vielfältige Ansprüche gestellt:

  • Die Häuser einiger Anlieger liegen direkt am Gewässer,
  • städtebaulich besteht eine wichtige Verbindung zwischen Osttorparkplatz und Innenstadt,
  • stadtgestalterisch besteht ein deutlicher Bedarf an Verbesserung,
  • der Werse Rad Weg verläuft daran entlang,
  • ökologisch gesehen gibt es mit den Betonfundamenten, den vielen Brücken, der alten Wehranlage und der Verrohrung unterhalb der alten Gärtnerei kaum Entwicklungschancen,
  • der Hochwasserschutz muss sicher gestellt sein,
  • der jüdische Friedhof liegt am Rande des Gewässers und auch oft am Rande der Wahrnehmung,
  • und vieles mehr.

Daher wird nun mit der Vorplanung begonnen, welche Maßnahmen in diesem Abschnitt grundsätzlich überhaupt möglich sind. Um die Hochwassersituation und das Abflussverhalten möglichst genau darstellen zu können, wird hierzu zunächst ein Niederschlags-Abfluss-Modell erstellt. Auf dieser Basis werden die weiteren Schritte entwickelt und mit allen Anliegern und Trägern öffentlicher Belange abgestimmt, um daraus ein stimmiges Maßnahmenpaket zu entwickeln, das diesen Bereich positiv aufwertet.