Fraktionen steigen in die Bütt
Karneval ist dem närrischen Rat ein Vorbild
Traditionell übernehmen am Klingeldienstag der Stadtprinz und sein Gefolge das politische Geschehen und leiten die närrische Ratssitzung. Die hatte es in sich: Büttenreden, Gesang und Tanz wechselten sich in der Aula der Antoniusschule in rasanter Folge ab – der Saal kochte, und kein Auge blieb trocken.

Prinz Bernd I. und sein Hofmarschall Christoph Lehrke eröffneten die karnevalistische Sondersitzung mit dem Prinzenlied und erwärmten damit nicht nur die Gemüter, sondern heizten mit ihrem Mitmachprogramm dem Saal ordentlich ein.

Den Auftakt machte Bürgermeister Michael Gerdhenrich, der als Liebesgott Amor die Liebe zu dritt beschwor: CDU, FDP und FWG seien ein „toller Dreier“, der sich ewige Treue geschworen habe. Es werde heiß im Stadtfinanzen-Arbeitskreis. Sein gereimter Rat: „Beckum wird es besser gehen, wenn Rat und Verwaltung zusammenstehen.”

Landrat Dr. Olaf Gericke blickte humorvoll auf das vergangene Jahr zurück. Das 50. Jubiläum des Kreises habe gezeigt, wie sehr BE und WAF zusammengewachsen seien. Das BE-Kennzeichen erfreue sich großer Beliebtheit – auch bei Bankräubern. Mit einem Augenzwinkern malte er aus, was man mit dem ergaunerten Schatz in Beckum alles anstellen könnte: von der Schokofontäne in jeder Kita bis zur WLE-Strecke Münster–Beckum. Für Prinz Bernd (Eßer) hatte er ein besonderes Geschenk: das Kennzeichen BE BE 2026.

In seiner letzten Rede vor dem närrischen Rat präsentierte Karnevalspräsident Wolfgang Krogmeier erneut seine Wunschliste: eine Stadthalle, ein Kreisverkehr an der oberen Nordstraße, Jecken, die weder eigene Getränke mitbringen noch Müll hinterlassen – und er bedankte sich für einen großartigen Rosenmontag, der von vielen Schultern getragen wurde. Mit Standing Ovations dankte ihm das Publikum für sein jahrzehntelanges Engagement im Beckumer Karneval.
Die Tollität schloss sich an und dankte für „unvergessliche Tage“. Sein Herz schlage besonders für die Inklusion, betonte er.
Fraktionen mit Humor und Selbstironie

Nicht alles, was glänzt, ist Gold, stellte Nicolas van Kevelaer (CDU) im Glitzeranzug klar. Er moniert, dass seine politischen Gegner ständig klagten, die finanziellen Lasten sollten Bund oder Land übernehmen. Mal richte es der Verlustvortrag, mal der globale Minderaufwand, der mit unterschiedlichen Maßstäben angesetzt werde. Doch auch er beschwört die Kraft des Karnevals: „Humor hilft gegen Verbissenheit”. Und er wünscht sich im Ausschuss soviel Freundlichkeit und Charme wie im Beckumer Bürgerbüro.

Einer für alle, alle für Beckum: Für die SPD erschienen die 4 Musketiere in der Bütt, die sich mehr Karneval im Rat wünschen und Beckum vor „politischer Bewegungsarmut” retten wollen. Ein Kompass helfe wenig, wenn am Ende doch der eigene Wille den Kurs bestimme. Beckum brauche Menschen, die nicht nur reden, sondern machen. Ihre Ideen zur Einnahmensteigerung reichten vom Pfand auf Ratsvorlagen („wer sie wirklich liest, bekommt sein Geld zurück“) bis zu Kreisumlagen-Bingo.de.

Die Grünen nahmen sich den Song „Zehn kleine Jägermeister“ vor und dichteten ihn um: Aus ehemals sieben Sitzen wurden vier – und aus fünf Bürgermeisterkandidatinnen und -kandidaten schließlich einer: „Eine blieb auf Instagram, da waren's nur noch zwei. Zwei Kandidaten, den einen kannte keiner. Der andere hat es gut gemacht, da blieb halt nur noch einer”, sangen sie augenzwinkernd.

FWG und FDP setzten auf tanzende Unterstützung und sorgten für Begeisterung. Markus Schiewe (FWG) präsentierte die Fanatics und gab sein Debüt in der Bütt. Niklas Gesigora (Linke) verglich seine Rolle im Rat mit der eines BUFDI im Altersheim. Er forderte mehr Frauen in Rat und Verwaltung – und eine Karnevalsprinzessin. „Auch die Linke hat einen Sinn für Tradition“, stellte er klar.
Timo Przybylak (FDP) sezierte in seiner Rede die Bürgermeisterwahl: Elisabeth Eickmeier (FWG) wolle wohl lieber Influencerin werden. Der CDU-Kandidat habe den Hellbachteich retten wollen, aber zunächst seine Partei nicht hinter sich versammelt. Und für seine FDP freue er sich über die Verstärkung durch Thomas Lorant in der „Familienfraktion“. Anschließend begleitete er die Tanzgruppe „Here we go“ auf die Bühne.


Trotz aller neckischen Seitenhiebe – oft garniert mit Selbstironie – waren sich am Ende alle einig: Der Karneval ist das verbindende Element in Beckum.



