Die hohe Kunst der Wiener Klassik
Grandioses Konzert mit Paul Gulda und dem Ensemble Europa
Das Ensemble eröffnete mit dem Klavierquartett Es-Dur, op. 16 von Ludwig van Beethoven den Konzertabend. Vieles konnte der junge Beethoven, wie Paul Gulda in seiner charmant-unterhaltsamen Moderation erläuterte, von Mozart übernehmen. Während Mozart eher frühromantisch-schwärmerisch im Ton ist, setzte der junge Beethoven schroffe Akzente. Das Ensemble Europa ließ in seiner Interpretation die Abgrenzung zu Mozart durch energische Momente spüren, geprägt von facettenreichem Klavierspiel und ausdrucksstarken Streichern.
Christoph Ehrenfellners „Kahlenberger Ländler“, op. 62 ist ein augenzwinkernder Schmäh auf Ländler, Polka und Polonaise und zugleich eine Hommage an die große Wiener Tanzmusik-Tradition. Das Stück hat die Konzertgäste mit herrlichen Dissonanzen und der Verbeugung vor Richard Strauss überzeugt. Das Mitglied des Ensembles Europa Christoph Ehrenfellner wurde 2025 in Düsseldorf mit dem Classical Music Awards als bester zeitgenössischer Komponist des Jahres ausgezeichnet.
Franz Schuberts „Forellenquintett“ nach der Pause war der Höhepunkt des Abends. Herzstück des Quintetts ist der vierte Satz. Dort greift Schubert die Melodie aus seinem eigenen Lied „Die Forelle“ auf, das dem Werk seinen Namen beschert hat. In den sonnigen Grundton des Stückes mischt sich hier ein Unterton der Sehnsucht nach Harmonie.
Diese Sehnsucht und Erfüllung variierten die Musikerin und die Musiker fantasiereich, wobei die Instrumente mehrfach die Rollen tauschten. Dem neckischen Reiz dieser Musik, dargeboten auf höchstem musikalischem Niveau, konnte sich kein Gast entziehen. Man sah und hörte die Forelle förmlich springen. Als Zugabe verabschiedeten sich die Musiker mit Robert Schumanns Andante cantabile aus op. 57.

