Neujahrsempfang der Stadt Beckum

Ali, Omar und viele andere sind angekommen

Bürgermeister Michael Gerdhenrich begrüßte die Ehrenamtlichen und ihre Schützlinge im Alten Pfarrhaus in Vellern. „Dank Ihrer engagierten Arbeit schaffen Sie Perspektiven für junge Menschen, die Gewalt oder Krieg nach Beckum geführt hat“, betonte er und sprach allen Beteiligten seinen herzlichen Dank aus.

Die Initiative, die vor gut 10 Jahren gegründet wurde, kann auf zahlreiche Erfolgsgeschichten junger Menschen zurückblicken, die nach ihrer Flucht in Deutschland Fuß gefasst haben. Vor Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung schilderten Ehrenamtliche und Geflüchtete ihre Erlebnisse – geprägt von Empathie, Durchhaltevermögen und Freude über das Erreichte.

Die Koordinatorin der Initiative Brigitte Bublies-Tielker gab anhand vieler Fotos einen Einblick in die Anfänge, die Motivation der Ehrenamtlichen und die vielfältigen Unterstützungsangebote. „Damals gab es für die vielen Ankommenden zu wenige Deutschkurse, und viele Beckumerinnen und Beckumer wollten einfach helfen“, erklärte sie. Sprachpatinnen und Sprachpaten sollten diese Lücke schließen. Das Mütterzentrum bot dafür den passenden Rahmen. Neben den Sprachkursen konnten bei zahlreichen Gemeinschaftsaktionen neue Kontakte geknüpft und Freundschaften vertieft werden.

Im stimmungsvollen Ambiente des Alten Pfarrhauses kamen auch viele Ehrenamtliche und Geflüchtete selbst zu Wort. Sie berichteten von ihrem gemeinsamen Weg: Viele waren nur mit einem Rucksack angekommen, ohne Deutschkenntnisse und ohne Orientierung im neuen Land. Englisch oder Französisch erleichterten den Einstieg manchmal – doch an der deutschen Sprache führte kein Weg vorbei. Auch im Alltag war Unterstützung gefragt: Behördenschreiben verstehen, Anträge ausfüllen, Kleidung für ein Vorstellungsgespräch organisieren oder Bewerbungen verfassen.

Über die Jahre entstanden enge Verbindungen. Die Ehrenamtlichen erzählten mit spürbarem Stolz von den Meilensteinen der jungen Menschen: erfolgreiche Schulabschlüsse, abgeschlossene Ausbildungen, erste Festanstellungen. Dank der guten Zusammenarbeit mit Jobcenter und Agentur für Arbeit konnten viele in Ausbildung oder Arbeit vermittelt werden. Das Ergebnis: Menschen, die heute Deutsch sprechen, eigenes Geld verdienen, sich selbst engagieren und dankbar zurückblicken.

Die Patinnen und Paten waren sich einig: Das Ehrenamt habe den eigenen Horizont erweitert. Gleichzeitig zollten sie den jungen Menschen großen Respekt für deren Entschlossenheit, in der neuen Heimat anzukommen und ihren Platz zu finden. Eine Patin brachte es gegenüber ihrem ehemaligen Schüler so auf den Punkt: „Am Anfang hast du Deutschland gebraucht, jetzt braucht Deutschland dich.“

Im Anschluss an die Präsentation entwickelten sich an den Tischen lebhafte Gespräche, Stoff dafür gab es reichlich. Musikalisch begleitet wurde der Neujahrsempfang von Nicole Saal und Tim Mackel von der Schule für Musik im Kreis Warendorf.

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